Neeseeland


Neuseeland - bis ans` Ende der Welt


Der Beginn


Geht es noch weiter als Neuseeland? Von Deutschland aus wohl kaum. Aber das Land übt auf uns eine ganz besondere Faszination aus. Wir sind uns einig: Würden wir je einmal den Traum vom Auswandern verwirklichen, dann steht Neuseeland an erster Stelle! Aber vorerst begnügen wir uns mit einer 4 wöchigen Tour mit einem gemieteten Camper von der Süd- auf die Nordinsel.

Mit Flugtickets, internationalem Führerschein, Reisepass, der Fotoausrüstung und einem Voucher für einen vorgebuchten Camper geht es los - in ein Traumland am anderen Ende der Welt - nach Neuseeland.

Die Distanz ist eine Herausforderung. Der schnellste Weg führt uns mit dem Flugzeug in 24 Stunden reine Flugzeit nach Christchurch. Eine Zeitverschiebung von + 12 Stunden, Linksverkehr und eine entgegengesetzte Jahreszeit erwarten uns in dem so fernen Land.

Im November 2001 waren wir schon einmal in Neuseeland. Was hatte sich verändert? Hoffentlich das Wetter, denn damals hatte es auf der Südinsel viel geregnet.


Christchurch



Wir haben es geschafft. Nach über 30 Stunden unterwegs erwartet uns Christchurch mit Sonne und 25 Grad: Es ist Sommer am anderen Ende der Welt. Für die erste Nacht haben wir ein kleines Appartement in der Innenstadt. Rosie ist unsere Vermieterin und hat großes Vertrauen zu uns. Da sie arbeitet, liegt der Schlüssel unter der Fußmatte.

Für unseren Einstieg in Neuseeland ist die private Unterkunft eine tolle Idee - zudem noch mit einer sympathischen Gastgeberin, die uns einige Tipps für unsere weitere Reise geben kann. Ihr skeptischer Blick verrät allerdings - 4 Wochen sind zu wenig! 

Schlaf haben wir im Flieger leider nicht bekommen und sind eigentlich hundemüde. Dem Schlafentzug aber nachzugeben macht überhaupt keinen Sinn - das Wetter ist zu schön und es gilt Christchurch zu entdecken.

Die Innenstadt leidet allerdings immer noch unter den Schäden des verheerenden Erdbebens von 2011. Viele Gebäude sind komplett zerstört, überall sind leere Flächen. Aber es  wird auch wieder gebaut. Dazwischen stehen Container, in denen Ladeninhaber ihre Waren zum Verkauf anbieten. In witzigen und kreativen fahrbaren Wagen gibt es Snacks.

 

Kreativ sind auch viele Hauswände von leer stehenden Gebäuden mit ihren großflächigen Bemalungen.



Banks of Peninsula


Camper abholen, Einkauf im nächsten Supermarkt  und dann geht es los. Es ist heiß – 28 Grad im Schatten und keine Wolke am Himmel.

 Unser erstes Ziel ist die Banks of Peninsula mit den Orten Duvauchelle und Akaroa. Es ist bereits Nachmittag, als wir auf der Halbinsel durch Little River fahren. Der Hunger meldet sich und ein uriges Gebäude lässt uns anhalten. Es ist ein Café - daneben stehen Metallsilos. In den Silos wird nicht Getreide gelagert, sondern Touristen – denn in den schönen Blechbüchsen kann man schlafen! Eine Unterkunft brauchen wir nicht, aber etwas zu essen bekommen wir im Café.

Nach kurvigen 10 km kommen wir nach Akaroa. Der Ort glänzt mit französischem Flair in Form von schnuckeligen, kleinen Häusern in einer ruhigen Bucht am Pazifik.

Für heute Nacht haben wir uns den Campingplatz in Duvauchelle ausgeguckt.


Lake Tekapo und Mount Cook


Das Wetter hat sich von seinen sonnigen und heißen 28 Grad verabschiedet. Jetzt ist es bedeckt und die Luft hat 10 Grad weniger. Für uns gut, denn wir wollen an den über 200 km entfernten Lake Tekapo.  Die Fahrt auf den Straßen der Canterbury Plains gestaltet sich entspannt. Nur wenige Autofahrer sind unterwegs und der Linksverkehr ist für uns so bestens zu meistern. 

Es wird schlagartig wärmer und sonniger, als wir den Ort Fairlie hinter uns lassen.  Der Lake Tekapo begeistert uns mit seinem eisblauen Wasser und der kleinen, fast 100 Jahre alten Church of the Sheperd. Überrascht sind wir von den Busladungen von Touristen (vornehmlich Asiaten), die die Kirche stürmen und umrunden. Es ist viel los am Lake Tekapo! 

Am Lake Pukaki  ist die Sicht auf den höchsten Berg Neuseelands – den Mount Cook – grandios. In der kommenden Nacht bleiben wir am Ufer des Sees und genießen eine sternenklare Nacht, in der wir die Sterne der Milchstraße gefühlt fast anfassen können.


Es geht weiter....


So schön der Platz auch ist, umso mühevoller war es doch, dort hin und wieder weg zu kommen. Das Wetter hat sich gehal- ten und Fotostopps sind so unausweichlich.

 

Jedes Tier, was als Stück Fleisch auf den Teller kommt, scheint in Neuseeland zuvor ein schönes Leben gehabt zu haben. Pralle Schweine laufen auf den Wiesen, zahllose Schafe und Bambis ebenfalls.

 

Mal etwas zur Statistik:

Neuseeland  ist ungefähr 1/3 kleiner als Deutschland. Das Land zählt 4,5 Millionen Einwohner und schätzungsweise 40 Millionen Schafe. Deutschland hat wohl gerade so um die 85 Millionen  Einwohner. Und Schafe? Keine Ahnung!

 

Ich ergänze: Deutschland konnte 2015 die sehr übersichtliche Zahl von 1,6 Millionen Schafe vorweisen. (Danke Ulli)


Begegnungen mit den Kiwis


Die Neuseeländer sind generell völlig entspannt und immer offen für ein Gespräch. So treffen wir  in einem Café in Omaru auf ein älteres Pärchen. Sie sprechen uns an und wir erfahren, dass ihre Tochter heute heiratet und sie für die Feierlichkeiten von der Nordinsel gekommen sind. Auf der Nordinsel leben sie in der Stadt, die eine der Hauptdrehorte von „Der Herr der Ringe“ war. Seit der Film weltweit ein so großer Erfolg gewesen ist, kommen die Touristen in Scharen, berichten sie. Sie hätten es schon erlebt, das speziell asiatische Touristen beim Anblick der wunderschönen Landschaft in Tränen ausgebrochen seien.

 

Woher wir denn kämen, war ihre Frage. „Oh – Germany!  Wie finden Sie ihre Bundeskanzlerin Frau Merkel? Sie ist ja wirklich eine sehr menschliche Kanzlerin – dafür bewundern wir sie“. Für das, was wir jetzt sagen wollen, reichen unsere Englisch-Kenntnisse nun doch nicht aus. Aber kein Problem – wir sind schon beim nächsten Thema. 

 

In einem anderen Café, dieses Mal in Dunedin, bestellen wir Käsekuchen zu Kaffee und Tee. Der junge Mann hinter der Theke fragt noch mal nach: „With cranberrys  and yoghurt?“ Staunen und Fragezeichen in unseren Augen – wozu Cranberrys und Joghurt? Unser Englisch scheint wirklich nicht das Beste zu sein – haben wir das richtig verstanden? Er antwortet mit einem charmanten Lächeln: „Beides servieren wir zum Käsekuchen!“ Wir haben es probiert – die Kombination schmeckt wirklich lecker.

 

Die Neuseeländer sind stolz auf ihr Land und sehr daran interessiert, dass die vielen Gäste auch etwas davon haben. So bekommt man in Dunedin ein Zertifikat, wenn man die steilste Straße der Welt, an der noch Häuser stehen, erklommen hat. Die Straße hat 36 % Steigung.

 

In Te Anau, dem Eingangstor zum Milford Sound, tanken wir vorsichtshalber, denn auf den nächsten 120 km gibt es wohl keine Tankstelle. Der Tankstellenbesitzer fragt beim Bezahlen nach unserem Weg. „Ah, Milford Sound und Sie bleiben über Nacht?“ Wir bejahen seine Frage, woraufhin er für uns sofort eine Reservierung vornehmen möchte. Haben wir schon und lehnen dankend ab? Aber dann vielleicht eine Tour mit dem Boot durch den Sound? Ja, das hatten wir geplant. Kein Problem, die Tickets können wir auch von ihm bekommen – sie kosten keinen Cent mehr. Es wäre nicht sicher, ob wir bei unserer Ankunft noch etwas bekommen könnten. „Das Wetter ist super – schauen Sie mal“. Er zeigt auf zwei Fernseher an der Wand und erklärt, dass dies Echtzeitbilder wären – Webcam vor Ort. Welches Schiff wollen Sie?

 

Wir zücken noch einmal unsere Kreditkarte und haben unsere Tickets für die Bootstour. Als wir die 120 km Straße zum Milford Sound fahren, sind wir sicher, dass dies die richtige Entscheidung war, denn wir werden von mehreren Bussen überholt.

 

Als sich der Bus entlädt, merken und sehen wir es deutlich – Asiaten haben Neuseeland entdeckt.


Kugeln am Strand und das liebe Wetter


Nach unserem fantastischen Platz am Lake Pukaki sind wir wieder an die Ostküste gefahren. Die sonderbaren Moeraki Boulders, das „schottische“ Dunedin und das ländliche Gore waren unsere Stationen, bevor wir den sagenhaften Milford Sound ansteuerten.

 

Vor 15 Jahren haben wir bereits eine ähnliche Route genommen. Damals waren wir im November unterwegs und es hat unendlich viel geregnet. Wir sind davon ausgegangen, dass es immer so ist, denn Neuseeland gilt als grüne Insel. Etwas frustriert hatten wir damals bei der Ausreise gefragt, wann es denn in Neuseeland mal nicht regnet. „Kommen Sie im Februar – dann haben wir gutes Wetter“, sagte die Beamtin am Ausreiseschalter.

Wir sind wiedergekommen – dieses Mal im Februar. Und das Wetter? Einfach grandios – ein Milford Sound bei Sonne, der Mount Cock wolkenfrei, genauso wie die beiden Gletscher Fox Glacier und Franz Josef Glacier. Selbst Haast – auf meiner Wetter App hatte der Ort monatelang Regen angezeigt – nun wolkenlos. Wir können es kaum glauben, ungehinderte Sicht! Einen Schönheitsfehler gibt es allerdings – grässliche Mücken! Aber wo ist schon alles perfekt.


Was machen die BH´s am Zaun?


Die Neuseeländer lieben Skurrilitäten. An einem Weidezaun zwischen Queenstown und Warnaka entdecken wir folgende Besonderheit: BHs!

Wie kommen sie an den Zaun?

Es wird berichtet, dass vier Frauen aus Cardona in der Neujahrsnacht zum Jahr 2000 nach einer langen und launigen Silvesterparty auf dem Heimweg sich ihre Büstenhalter entledigten und an einem Zaun des Ortes aufhängten. Sie wollten das neue Jahrtausend mit einer „außergewöhnlichen“ Aktion begrüßen. Der Zaun hat es seitdem zu Weltruhm gebracht – selbst das Handelsblatt hat sich gewogen gefühlt, darüber zu berichten.


Mücken und die Westküste


Die Mücken sind Sandfliegen und an der gesamten Küste anzutreffen. Es sind kleine, schwarze, unscheinbare Biester, die heimtückisch und erbarmungslos über alle unverhüllten Körperteile herfallen. Wir machen uns bei den Neuseeländern kundig, denn es ist heiß und wir schauen neidisch auf die Shorts tragenden Kiwis, deren Beine keine Einstiche zu haben scheinen. Eine Empfehlung treibt uns umgehend in den nächsten Supermarkt, wo wir schnell fündig werden. Seit diesem Zeitpunkt schwebt eine Wolke des empfohlenen Produkts „Outdourless Protection“ ständig um uns.

 

Abgesehen von den Sandfliegen sind wir begeistert von der rauen Westküste Neuseelands. Wir überqueren Flüsse mit eisblauem Wasser und haben meist einen ungehindertem Blick auf die „Southern Alps“ des Landes.  Am Fox Glacier entscheiden wir uns deshalb spontan, das perfekte Wetter für einen Rundflug mit einem Helikopter über den Fox Glacier und den Franz-Josef Glacier zu nutzen. Wir sind nicht die einzigen, denn ständig brummt es in der Luft.

Mit drei anderen Flugwilligen sitzen wir schnell im Heli und schon steuert ein cooler junger Pilot uns in die Lüfte. Es geht es in rasantem Tempo nach oben.  Die grüne Landschaft verschwindet unter uns und schon sind wir über dem ewigen Eis. Der Höhepunkt ist eine Landung oben auf dem Gletscher. Absolut spektakulär und verrückt - der Ausblick ist fantastisch!

Im Ort Fox Glacier haben wir mit unserem Camper eine  Powersite-Stellfläche auf einem „TOP 10 Holiday Park“ in Anspruch genommen. Wir wollen endlich einen stabilen Internetzugang. Da spielte es nun auch keine Rolle, ob hier eine fahrbare Toilette neben der anderen steht.


Chinesen auf dem Campingplatz


Neben uns parkt ein großer Camper  - eine chinesisch sprechende Familie mit vier Kindern gehört  zum Wohnmobil.  Seit einigen Tagen waren wir schon umgeben von asiatischen Touristen. Dass auch viele dabei sind, die campen, hat uns nun in Erstaunen versetzt, denn traditionell ist diese Freizeitvergnügung in der chinesischen Bevölkerung nicht verbreitet. Auf dem Campingplatz wimmelt es aber nur so von ihnen. In der Gemeinschaftsküche des Platzes steht ein Reiskocher neben dem anderen. Es wird emsig geschnippelt und die Zubereitung lautstark kommentiert.  Ein Duft von Zitronengras und Sojasoße durchzieht die Räumlichkeiten.

Chinesen aus der Volksrepublik konnten es nicht sein, denn die haben in der Regel keine vier Kinder. Unsere Nachfrage ergibt, dass die Taiwanesen im Moment Ferien haben und nun diese 10 Tage nutzen. Das Campen soll wohl eher eine Notlösung sein, denn viele Unterkünfte sind ausgebucht.


Kaikoura


Wir sind mittlerweile wieder an der Ostküste angekommen – um genau zu sein, in Kaikoura. Der kleine Ort hat sich den Walen verschrieben. Nach jahrzehntelanger Jagd entschieden sich die hier ansässigen Maori für eine Jagd, bei der die Wale am Leben bleiben – dem Wahle Watch. Mittlerweile hat sich das Whale Watching zu einer anerkannten Institution Neuseelands entwickelt. Aber nicht nur die Wale tummeln sich hier in den Gewässern.

Schon bei der Anfahrt entlang der Küste sehen wir große Gruppen von Delfinen, die im Wasser wahre Künste vollbringen. Unser Teleobjektive sind schnell zur Hand und unser Übernachtungsplatz für die kommende Nacht auch – es ist ein freier DOC Campingplatz am Paia Point. Von hier aus haben wir einen ungehinderten Blick auf das Meer und die Seelöwen sonnen sich nach einem Bad auf den Steinen, keine 5 m von uns entfernt. Herrlich.

DOC Plätze sind meist preiswerte und ruhige Alternative in idyllischer und reizvoller Landschaft. Hier können Camper stehen, die Selbstversorger sind – also sozusagen fahrbare Toiletten. Und so einen Camper haben wir, aber nicht nur wir! Andere gesellen sich schnell dazu. In der Nacht stehen alle dicht gedrängt. Die Straße direkt hinter uns ist genauso stark frequentiert wie die  Eisenbahnstrecke und damit der Tipp aus einem Reisemagazin ein Flop! Am Morgen sind wir schnell wieder weg.

Das Wale beobachten hat dann aber alles entschädigt.


Herr der Ringe und der „Ringmaker“


Unsere letzten Stationen auf der Südinsel sind Blenheim und Nelson. In der Ebene um Blenheim fahren wir kilometerweit  an Weinfeldern vorbei.  Die Möglichkeit, an einer Weinprobe teilzunehmen, ist schier unerschöpflich und verlockend. Allerdings haben wir einen fahrbaren Untersatz und auch die neuseeländische Polizei schaut gern nach Alkoholsündern am Steuer – wir verzichten deshalb.

 

Unser Übernachtungsplatz in dieser Region ist ein idyllischer Campingplatz am Pilorus River. Peter Jackson soll an diesem Fluss eine Szene zu seinem Film „Herr der Ringe“ gedreht haben. Heute ist Sonntag und es ist heiß und deshalb ist der Fluss heute  von Einheimischen belagert.

Die phantastische Landschaft Neuseelands war bekanntermaßen an vielen Stellen Drehort der Trilogie „Herr der Ringe“.  Das wichtigste Detail aus dem Film – der Ring selber – wurde auch in Neuseeland produziert und zwar in Nelson. Jens Hansen, ein bereits vor dem Dreh des Films bekannter Ringmacher in Neuseeland, bekam von Peter Jackson den Auftrag, insgesamt 40 Ringe für den Film anzufertigen. Jens Hansen selber hat die Premiere des Filmes nicht mehr miterlebt, denn er starb kurz vorher. Sein Geschäft befindet sich aber immer noch in der Innenstadt von Nelson, denn seine beiden Söhne führen es in seinem Sinn weiter. Sie haben den Wert des Ringes, der weltweit zu Ruhm gekommen ist, erkannt und das Geschäft ausgebaut. 

 

Wir durften hinter die Kulissen schauen. Sein Sohn Halfdan erzählt uns unterdessen die Geschichte seines Vaters.

Wir haben mal unsere Namen in Elbisch geschrieben. Das Ganze sieht dann so aus:

 Rita und Harald


Von Süd nach Nord


Wir verlassen die Südinsel mit der Fähre von Picton. 3 ½ Stunden später sind wir in der Hauptstadt Neuseelands, in Wellington. Die Innenstadt ist überschaubar. Am spannendsten ist es aber an der  Hafenpromenade. In bester Lage reiht sich ein Café an das nächste und immer passiert irgendwo etwas: Drachenboote fahren um die Wette und an verschiedenen, extra installierten Plattformen kann man in den Pazifik springen. Da das viele machen, muss das Wasser sauber sein. Keine 500 m weiter liegen allerdings große Ozeanriesen und die Fähre.

 

Das Parken mit einem über 7 m langen Camper ist in einer Innenstadt schon eine Herausforderung. Die Stadt wieder zu verlassen ist nicht weniger kompliziert, denn wir bewegen uns mit vielen anderen am Abend in der Rushhour und steuern einen Campingplatz in Lower Hutt an. Ohne Navi hätten wir dort nie hin gefunden.


Der längste Ortsname im Nirgendwo


Nach so viel Trubel ist Ruhe angesagt.  Der winzige Ort Pongahau an der Ostküste ist unser Ziel. Der Weg dorthin ist einsam, nur selten begegnen wir Menschen oder Autos. Hier ist es nicht ungewöhnlich, dass drei Häuser ein Dorf bilden und selbstverständlich einen Namen bekommen. Manchmal haben wir gar nicht gemerkt, dass wir durch ein Ort gefahren sind.

Bei diesem Schild könnte man denken – je weniger vorhanden ist, umso länger der Name:

Die Bezeichnung gehört zu einem unscheinbaren Hügel im gefühlten Nirgendwo, ist Maori und heißt wohl so viel wie: „Die Kuppe des Hügels, wo Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der rutschte, kletterte und Berge verschluckte  und deshalb der Landverspeiser genannt wird, seinem Bruder auf der Flöte vorspielte“

 

Unser Stellplatz ist ein einsamer Platz ohne Namen und Strom- und Wasseranschluss, dafür mit einem herrlich aufgewühlten  Meer und menschenleerem Strand. Genau das Richtige. Da stört uns auch nicht der Regen in der Nacht.


Napier und der Art-Déco-Stil


In Napier sind wir wieder unter Menschen. Allerdings sehen die Menschen im Moment etwas anders aus als sonst üblich. Viele tragen die Klamotten der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und fahren in Autos des gleichen Zeitalters durch die Straßen.

 

Und das hat einen Grund - einmal im Jahr feiert Napier im Stil des Art-déco und erinnert damit an den Aufbau der Stadt. Die Stadt wurde nämlich 1931 durch ein verheerendes Erdbeben völlig zerstört, danach aber komplett wieder aufgebaut – eben im damals angesagten Stil des Art-Déco. 


Rotorua und so


In Napier geht das Feiern weiter. Auf dem Weg nach Taupo kommen uns immer noch Oldtimer entgegen – mit Ziel Napier.

 

Aber auch Taupo hat so einiges zu bieten. Jet-Boote fahren in rasanten Kurven bis kurz vor die Huka Falls und wagemutige Frauen stürzen sich von einem malerischen Felsen über den Waikato River 47 m in die Tiefe.

80 km weiter nördlich liegt Rotorua. Wenn man den Ort nicht sehen würde, man würde ihn auf jeden Fall am Geruch erkennen. Denn in Rotorua liegt stetig ein leichter Schwefelgeruch in der Luft und an verschiedenen Ecken steigen Dämpfe aus dem Boden – manchmal auch aus den Gullys.

 

Spätestens hier merkt jeder, dass die Neuseeländer auf unruhigem Boden leben. Im Wai-O-Tapu Thermal Wonderland bestaunen wir denn auch das Farbspektakel der Mineralterrassen, die blubbernden Schlammlöcher und den Lady Knox Geysir. Pünktlich um 10:15 Uhr schießt dieser Geysir eine 20 m hohen Wasser-Fontaine in die Luft. Damit das Ganze auch wirklich immer pünktlich passiert, wird mit organischer Seife nachgeholfen. Mit uns bestaunen diesen Vorgang gefühlte

1 000 Besucher – dabei sind deutsche Stimmen in der Überzahl.


Wie sind wir eigentlich unterwegs?


Ganz einfach – mit einem Camper einschließlich eigener Toilette, Kühlschrank, Mikrowelle (wer braucht denn schon sowas?), LCD Bildschirm (wofür?), großer Liegefläche (ganz wichtig), dreiflammiger Gaskochstelle (auch ganz wichtig) und einer Steckdose (super wichtig, aber viel zu wenig). Zwei Campingstühle und ein Tisch sind ebenfalls Bestandteil der Ausrüstung. Ganz wichtig, denn draußen zu sitzen und zu essen ist einfach schöner und wir müssen im Inneren nicht jeden Abend und Morgen die Sitzecke zum Schlafplatz um- bzw. zurückbauen.

Jede zweite Nacht steuern wir einen Campingplatz mit Stromanschluss und Wasserversorgung an und stehen dann schön brav mit anderen Wohnmobilen in einer Reihe. Manchmal gibt es auch Internet, aber da ist dann Geduld gefragt.

 

An den anderen Tagen bevorzugen wir ausgewiesene Plätze ohne alles, aber oft in toller Landschaft. Eindeutig unsere Favoriten!


Und die Straßen?


Die Straßenverhältnisse sind generell recht gut. Oft leer, viele Kurven, bestens ausgeschildert und unser Navi bringt uns überall hin. Der Sprit ist billig – für Diesel zahlen wir umgerechnet 0,50 €/ l. Neuseeland ist ein Linksfahrerland. Wir haben uns schnell daran gewöhnt, zumal der Camper Automatik hat und wir so keine Probleme beim Schalten bekommen. Die Neuseeländer selber sind keine Roadies auf der Straße und wissen, dass sie immer mit einem „Rechtsfahrer“ rechnen müssen. Oft ist die Fahrtrichtung mit Pfeilen markiert und wenn es ganz schlimm kommen könnte, steht ein Schild mit „keep left".

 

Zu Fuß ist es ungewohnter - beim Überqueren der Straßen schauen wir immer noch in die falsche Richtung und auf den Bürgersteigen kollidieren wir automatisch mit den Fußgängern, die links gehen.


Ach ja – die Hobbits in Matamata


Es muss sein – wir besuchen das Filmset von den „Hobbits“ und „Herr der Ringe.“ Wer ist bloß so verrückt und lässt einen künstlichen Eichenbaum aus Stahl und Silikon mit 200.000 Plastikblättern (aus Taiwan importiert) errichten, nur weil es diesen Baum so dort nicht gegeben hat? Und man sieht nicht einmal, dass er künstlich ist.


Buddeln am Strand


Traumhafte Strände mit türkisfarbenen Meer, feinem Sand (ohne Sandfliegen!) und verrückte Leute, die zu bestimmten Zeiten mit einem Spaten anrücken und Löcher buddeln, die dann mit warmen Wasser volllaufen. Wir sind am Hot Water Beach.


Weit weg von Europa und der "Höllenschlund"


Eigentlich ist hier nicht das Ende der Welt, vieles ist nur sehr weit weg. Zum Beispiel die Nachrichten aus Europa. An zwei Tagen haben wir uns die HAZ als E-Paper runter geladen. Die Nachrichten klingen, als kämen sie vom Mond. Wir überfliegen die Schlagzeilen und machen die App schnell wieder zu. Ein wohliges Unwissen macht sich bei uns breit und das Bedürfnis nach Zuhause ist noch nicht so groß.

 

Nach der Coromandel-Halbinsel fahren wir über Miranda und Auckland nach Whangarei. Der Verkehr in und um Auckland gleicht dem unserer Großstädte.  Wir wollen bloß schnell weiter.

Unser Ziel sind die Bay of Island und Russell. Russell ist ein kleines, verschlafenes Nest - im Sommer aber ganz quirlig. In unserem Reiseführer steht, dass der Ort vor 170 Jahren als „Höllenschlund“ des Pazifiks bezeichnet wurde. Entflohene Häftlinge, Walfänger, Seeleute und andere raue Gesellen sollen sich hier vergnügt haben. Heute ist das alles lange vorbei und ein schnuckeliges Russell empfängt uns bei bestem Wetter.


Ab durch die Mitte


Ein bisschen „Abenteuer“ darf es dann aber doch sein. Wir fahren mit einem Katamaran zum „Hole in the Rock“. Der Kapitän des Schiffes will es heute wissen und steuert den Kahn durch das „Hole in the Rock“. Wau - Maßarbeit – das macht er bestimmt nicht jeden Tag!

Sollten wir bisher von den Campingplätzen nicht in den allerhöchsten Tönen geschwärmt haben, schließen wir den Platz von Russell aus. Wir stehen nämlich auf einer Art Terrasse und schauen über die gesamte Bucht von Russell – Sonnenuntergang eingeschlossen. Besser geht es nicht.


Von Riesen


Hier im Norden sind die Wege von Küste zu Küste kurz. Morgens noch an der Ostküste – am Nachmittag entspannt an der Westküste und damit bei den gigantischen Kauribäumen.

 

Steckbrief des besten Exemplares seiner Gattung:

Name: Tane Mahuta (Waldgott der Maori)

Höhe: 51,1 m

Umfang:13,8 m

Holzmasse: 244,5 m³ 

Alter:1 200 bis 2 000 Jahre


Das Ende vom Ende der Welt


Das einsame Sofa an der Westküste von Neuseeland wartet auf Neu-Besetzung. 

Eine Reise nach Neuseeland lohnt sich, trotz der langen Reise, immer wieder.



Kommentar schreiben

Kommentare: 0