Samoa

 

Samoa - ursprüngliches Polynesien mit einem Schuss Deutsch

Nach dem Besuch des melanesischen Vanuatus und Fidschis befinden wir uns mit Samoa in der Polynesischen Inselregion der Südsee. Und Deutsches finden wir an einigen Stellen auch noch.

 


Apia – Hauptstadt mit Gelassenheit


Das kleine Flugzeug von Fidschi Air war nur zu einem 5tel belegt. Von den 25 Passagieren waren 15 Samoaner, der Rest Ausländer. Noch vor der Passkontrolle begrüßt uns eine kleine Band mit Südseeklängen. Dann geht es mit einem Taxi in rasantem Tempo in die 30 km entfernte Hauptstadt Samoas – nach Apia. Die Geschwindigkeitsbegrenzung außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt zwar nur 56 km/Std., unserem Taxifahrer scheint das deutlich zu wenig zu sein. Er ist allerdings der Einzige, der das schnelle Tempo  bevorzugt – das werden wir noch merken. 

Ging es in Vanuatu und Fidschi bereits sehr entspannt zu, setzten die Samoaner noch mal eins drauf. Kein Wunder denn in Samoa liegen die Temperaturen zwar ähnlich wie in Vanuatu und Fidschi bei 30 Grad, allerdings ist die Luftfeuchtigkeit  mit 85 % deutlich höher.


Der erste Eindruck


Palmen, üppiges Dschungel-Grün, Fale (offene Wohnhäuser), keine weggeworfenen Dosen, kein wehendes Altpapier. Alles ist aufgeräumt, sauber und die Vorgärten sind hübsch mit Blumenrabatten eingerahmt. Sind das noch Überreste deutscher Gründlichkeit? Jedes dritte Haus ist eine große, stattliche Kirche – etwas übertrieben, aber gefühlt auf jeden Fall. Und die Samoaner halten nichts von Diäten. Rundungen liegen voll im Trend  - Magermodells  scheinen verpönt, denn propere Menschen strahlen sogar von den Plakaten herunter. Allen gefiel das nicht. Samoa Air soll 2013 begonnen haben, die Flugtickets auch nach Gewicht zu berechnen!


Marschmusik, Bier und was ist denn noch Deutsch an Samoa?


Vierzehn Jahre lang war Samoa eine deutsche Kolonie, bis die Neuseeländer nach dem verlorenen ersten Weltkrieg das Inselreich für sich beanspruchten. Wir sind um 9 Uhr in der Hauptstadt Apia unterwegs und hören Blasmusik zu „Berliner Luft“. Um die Ecke kommen stattliche Männer im flotten, samoanischen Männerrock – dem Lavalava - und marschieren im Gleichschritt Richtung Regierungsgebäude. Es sind die Jungs der „Samoa Police Band“. Am Regierungsgebäude wird jeden Tag – pünktlich - die samoanische Flagge gehisst, salutiert und die Hacken zusammengeschlagen, bevor es wieder mit deutscher Marschmusik zurück zum Polizeihauptquartier geht.

Die meisten Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit sind modernen und funktionalen Häusern gewichen. Übrig geblieben sind das alte Gerichtsgebäude, alte Friedhöfe mit Gräbern von verstorbenen Deutschen und einige Denkmäler. Eins davon ist das deutsche Flaggendenkmal in Mulinu´u auf einer Landzunge nahe Apia. Im Jahr 1900 hissten hier die Deutschen ihre Flagge und feierten sich als Kolonialmacht in Samoa.

 

Im „Cocktails on the Rocks“ an der Beach Road ist immer der Bär los. Uns interessiert, warum diese etwas schmuddelige Cocktail-Bar so beliebt ist und bestellen ein Vailima Bier und ein Cocktail. Wir haben noch nicht unser Getränk, als wir schon angesprochen werden. Klassiker: Woher kommt Ihr? Deutschland?  Kennt Ihr Jeff schon? Nein. Jeff dreht sich um und spricht uns im perfekten Deutsch an.

Ab diesem Zeitpunkt sind wir mitten drin. Jeff entpuppt sich als Josef Beukes. Er ist mit seiner samoanischen Frau Pulon hier. Ein ausgewanderter Schwede ist ebenfalls mit von der Runde, genauso wie ein samoanischer Banker. 

Josef freut sich, endlich mal wieder Deutsch sprechen zu können. Er lebte schon Anfang der 1970 in Samoa und entpuppt sich als wahre Institution des Landes. Unter anderem hat er das einzige samoanische Bier – das Vailima – mit an den Start gebracht, indem er mit einer Wasserprobe nach Deutschland reiste und es dort hinsichtlich des deutschen Reinheitsgebotes hat testen lassen. Das Wasser war bestens geeignet und der Grundstein für das Bier gelegt. Die restlichen Zutaten kommen aus Australien, gebraut wird selbstverständlich in Samoa, jetzt allerdings unter der Marke Coca Cola.

Eine Sache aber liegt Josef besonders am Herzen. „Habt ihr schon das deutsche Flaggen-Denkmal gesehen? Ich habe das Denkmal 2008 mit meinem eigenen Geld, Zeit und Energie renoviert und dann kommt die deutsche Botschaft in Wellington, schwärzt meinen Namen und bringt ein Schild an, das dieses Denkmal mit deutschen Steuergelder instand gesetzt wurde. Das ging zu weit – ich habe mich bei der Deutschen Regierung beschwert. Herr Steinmeier hat mir dann geschrieben und sich mit diesem Buch entschuldigt. Jetzt ist mein Name wieder zu sehen“ berichtet er stolz.

Den Abend beschließen wir nach jeder Menge Vailima Bier, Cocktails und 3 Kokosnüssen. Übrigens sind die Cocktails hier mies.


Wer hat´s erfunden –Tattoos in Samoa


In Samoa ist man sicher, dass der Ursprung der Tattoos in ihrem Land zu finden ist. Schon in der Cocktailbar waren uns Samoanerinnen aufgefallen, die an beiden Beinen spezielle Tattoos haben. Gleiches gilt auch für Männer, die allerdings am ganzen Körper.  Samoaner haben uns erzählt, dass die Körperkunst eine Geschichte erzählt und sehr viel mit ihrer Familienzugehörigkeit zu tun hat. Es sind also keineswegs beliebige Motive, die man sich im Katalog aussucht. Die zum Teil großflächigen Zeichnungen werden in langen und schmerzhaften Sitzungen von ganz bestimmten Meistern ihrer Kunst aufgebracht. Wer einmal damit angefangen hat, für den gibt es kein Zurück mehr.

 


Samoa, der Linksruck und der neue Tag beginnt hier


Der unabhängige Staat Samoa umfasst eine Landfläche, die etwas größer als Luxemburg ist. 362 Dörfer und etwas mehr als 180 000 Einwohner (Münster hat ähnlich viel Einwohner) verteilen sich auf ein paar Inseln – im Wesentlichen auf den beiden größten Inseln Upolu und Sawaii. Wahrscheinlich kennt hier fast jeder jeden. Viel Sonne, ausreichend Regen, fruchtbare Plantagen, keine giftigen Tiere, keine Tropenkrankheiten, keine Staatskrisen - dafür ganz viel Wasser und der nächste Nachbar 900 km entfernt (Tonga) -  das ist Samoa. Und die Kriminalität? Vor ein paar Jahren gab es einen Banküberfall, den ersten überhaupt. Der Täter wurde schnell gefasst, wo sollte er auch hin. Das  Gefängnis beherbergt gerade mal 3 Insassen.

 

Schlaue Menschen hatten irgendwann Greenwich als Mittelpunkt der Erde festgelegt und damit auf der anderen Seite der Welt die Datumsgrenze geschaffen. Hier fällt die Zeit auseinander, in ein Gestern und Heute. Oder, je nach Sichtweise, auch in ein Heute und Morgen. Im Jahr 2011 beschloss die Samoanische Regierung, die nur wenige Seemeilen östlich gelegene Datumsgrenze um ihren Herrschaftsbereich herumzubiegen, indem sie die Uhren des Landes um 24 Stunden vorstellte, und damit vom Heute ins Morgen wechselten. Mit zwei Feiertagen erfolgte schon 2009 die Umstellung des Verkehrs von rechts auf Links. Und warum das alles? Im Wesentlichen ging es wohl dabei um die enge und ausbaufähige Beziehung zu Neuseeland (ist der größte Geldgeber des armen Samoa).

 

Mit unserem gemieteten Autor sind wir also auch auf Samoa wieder auf der linken Seite unterwegs. Die asphaltierten Straße sind in Ordnung, so dass wir schnell an traumhaften Stränden, wie dem Paradies Beach (Gary Cooper spielte an diesem Strand einen Weltenbummler in dem Film „Return to Paradise“) oder am imposantesten Swimmingpool der Welt, dem To Sua Trench, sind. Er liegt in einem 30 m tiefen Loch und birgt ein unterirdisches Schwimmerlebnis. Mit Wasserfällen geizen die Inseln ebenfalls nicht.

 


Die Schatzinsel und sein Auto


Der reiselustige, schottische Schriftsteller Robert Louise Stevenson ließ sich die letzten Jahre seines Lebens auf Upolu nieder – dort, wo er das Leben am angenehmsten und die Menschen am interessantesten fand. Sein Abenteuerroman „Die Schatzinsel“, den er hier schrieb, kennt wohl jeder. Von seiner schmucken Holzvilla in den Bergen haben wir einen grandiosen Blick auf die Bucht von Apia. Heute ist es ein Museum. In der Villa gab es sogar einen Kamin – er hat ihn nie benutzt.

 


Savaii, Muttertag und die Samonerinnen…


Uns war schnell klar, dass wir auch auf die Nachbarinsel Savaii wollen. Es gibt eine Autofähre, die uns in einer Stunde auf die Nachbarinsel übersetzt. Die Tickets sind schnell erworben – allerdings ist die Fähre rappelvoll! In den Gängen ist kein Durchkommen. Überall versuchen die Menschen einen Platz zu finden.

 

Warum platzt das Schiff aus allen Nähten? Viele Samonaer, die eigentlich auf Savaii leben, arbeiten auf Upolu und wollen jetzt zum Muttertag nach Hause. Seit Tagen scheint es sowieso kein anderes Thema mehr zu geben, als den Muttertag. Der Tag ist in Samoa ein Feiertag, genauso wie Weihnachten und Ostern. Üppig verpackte Geschenke in den Läden und an jeder Ecke ist ein Hinweis auf diesen großen Tag zu sehen. Allerdings gibt man sich mit einem Tag nicht zufrieden. So findet ein paar Tage vor dem Ereignis eine große Versammlung vor dem Parlamentsgebäude in Apia statt. Ansprachen werden gehalten, Frauengruppen werden für ihre sozialen Projekte gewürdigt und Preise für die schönsten Rindenbastmatten verteilt. Es ist 9 Uhr morgens als die Veranstaltung so gut wie beendet ist. Aber nur so gut wie – denn das Beste kommt jetzt erst. Aus dem Stand heraus strömen die gerade geehrten Damen auf den Platz und tanzen nun völlig ausgelassen ihren Erfolg – der Hammer. Die paar Männer halten sich im Hintergrund - das hier ist nur was für Frauen!

 

Es ist Sonntag und Muttertag! Sonntags ist in Samoa sowieso nichts los – denn alle scheinen in den Kirchen zu sein – an Muttertag erst recht. Von den Gotteshäusern gibt es ja genug und alle sind gerappelt voll. Außerdem sorgt der Matei, das Dorfoberhaupt, dafür, dass auch jeder zum Gottesdienst kommt. Türen und Fenster stehen offen, es ist ein Kommen und Gehen, niemand sitzt still auf seinem Platz. Es wird aus voller Brust gesungen. Alle sind in Weiß gekleidet, die Frauen tragen einen schicker Hut, die Männer ihrem luftigen Lava Lava Rock. Danach geht es nach Hause, wo schon ein üppiges Essen auf alle wartet. Und wer nun denkt, dass es nur den Muttertag auf Samoa gibt, der täuscht sich. Am 2. Sonntag im August ist der Vatertag – er ist auch ein staatlicher Feiertag!

 


Und wie ist es auf Savaii?


Die Antwort: Ursprünglicher, das Inselinnere kaum zugänglich, kleinere Dörfer und weniger Menschen, schöne Strände und mehr Vulkanische Aktivität.

 

Savaii ist etwas größer als Upolu. Eine asphaltierte Ringstraße führt um die gesamte Insel. Unsere Unterkunft liegt in Asau ganz im Westen. Wir müssen die Insel zur Hälfte umrunden und nehmen dafür die südliche Route. Hier fehlt das vorgelagerte Riff, so dass wir an diesem Küstenabschnitt die ganze Kraft des Pazifischen Ozeans spüren. Es ist stürmisch und die Wellen schlagen extrem hoch. Kaum haben wir aber diesen Küstenabschnitt verlassen, ist es wieder windstill und der Ozean lammfromm. Weiße Sandstrände, Kokosnusspalmen und dazwischen schwarze Lavabrocken prägen dann die Insel.

 


Wie geht es uns nach 8 Wochen Weltreise?


Die ersten zwei Wochen hatten wir in Japan ein straffes Programm, in den nächsten Wochen fühlten wir uns wohl, dann kam die Langeweile im positiven Sinn. Das ist der Moment der Erholung, denn Langeweile ist für uns zurück erobete Zeit. Wir haben das Gefühlt, Zeit dazu bekommen zu haben. Heimweh hat sich nicht eingestellt.

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Kommentare: 4
  • #1

    Udo (Samstag, 19 Mai 2018 14:16)

    Ihr Lieben,
    das ist ja wieder ein wunderschöner Bericht. Man spürt richtig, wie gelassen und entspannt ihr seid. Ihr habt euch wohl auch genau die richtige örtliche Reihenfolge ausgesucht.
    Und - beim Betrachten der Einwohner fühle ich mich geradezu schlank, danke!

  • #2

    Anke (Sonntag, 20 Mai 2018 10:01)

    Was für ein toller Bericht und wunderschöne Bilder. Danke dass wir an eurer traumhaften Reise teilhaben können. Bin schon auf Tahiti gespannt.

  • #3

    Anna (Mittwoch, 30 Mai 2018 07:32)

    Hallo ihr Lieben,
    Was ihr alles erlebt und wen ihr so zufällig trefft, ist ja wirklich faszinierend! Ich liebe eure Bilder, ihr seid wirklich im Paradies! Genießt die Ruhe und Gelassenheit auf Samoa. Der deutsche Stress kommt früh genug...
    Alles Liebe,
    Eure Anna

  • #4

    Sibylle Weitkamp (Montag, 04 Juni 2018 23:36)

    Heute erst habe ich alle Blogs aus der Südsee gelesen. Wunderbare Bilder und Eindrücke nehmen Sie von dieser Region der Erde mit zurück in die Heimat, wo dann viele Menschen davon in Ihren Vorträgen profitieren. Die meiste Zeit der Weltreise ist vorüber, noch in diesem Monat kommen Sie zurück. Ich freue mich, Sie dann zu treffen. Herzliche Grüße und noch schöne Tage in Kalifornien!