Französisch Polynesien

Französich Polynesien
Morea

 

Mit dem Frachtschiff unterwegs in der Südsee

- auf der Aranui 5 zu den Marquesas

 

Die letzte Inselgruppe im Pazifik, die wir auf unserer Weltreise besuchen, ist Französisch-Polynesien. Von der Hauptinsel Tahiti starten wir für 13 Tage mit dem Frachtschiff Aranui 5 zu der weit abgelegenen Inselwelt der Marquesas.

 


Tahiti – der Start beginnt in Europa


Landung in Papeete auf Tahiti – Passkontrolle – wir reisen in die EU ein. Allerdings trennen uns gerade gute 15 800 km von unserer Heimat! Willkommen in Franz. Polynesien. Amandine und Sebastian holen uns ab. Wir haben uns für die nächsten 4 Tage bei den beiden einquartiert. Gute Idee, denn sie wohnen traumhaft am Hang oberhalb von Papeete und davon profitieren nun auch wir. Jeden Abend haben wir das Vergnügen, die Sonne hinter der Nachbarinsel Moorea untergehen zu sehen.

Französisch Polynesien
Morea

Überrascht hat uns der Verkehr in Papeete. Auf einer sechsspurigen Straße geht es raus und rein. Nicht selten befinden wir inmitten eines Staus. Der Platz auf der Insel ist durch das Gebirge begrenzt, öffentliche Verkehrsmittel rar und unzuverlässig und die Einwohnerzahl auf Tahiti steigend.

Alles sieht ein wenig wie in Südfrankreich aus, mal abgesehen davon, dass alle Französisch sprechen – auch die Polynesier. Irgendwie befinden wir uns gerade gefühlt in einer verkehrten Welt.

Von Amandine und Sebastian können wir uns ihr Auto ausleihen und damit auf der gut ausgebauten, 115 km langen Ringstraße Tahiti erkunden. Es sind gerade Ferien und die öffentlichen Strände gerappelt voll.


Und los geht es zu den Marquesas


Einschiffen auf der Aranui 5 bis 8:30.  Nach der Begrüßung und dem Sicherheitsmeeting einschl. Sicherheitsübung legt der Frachter ab. Wir verlassen Papeete und damit Tahiti bei schönstem Sonnenschein. Nur ein paar dicke, weiße Wolken begleiten uns auf dem weiten Ozean. Die Sonne geht spektakulär am Horizont unter - beim Eintauchen in den Weiten des Pazifischen Ozeans haben wir das Gefühlt, dass es dabei ein wenig zischt.

Aranui 5 Französiche Polynesien
Sundowner auf der Aranui 5

Das Schiff ist mit ca. 180 Gästen nicht voll belegt, davon sind gut 40 Gäste aus dem deutschsprachigen Raum. Grund genug für die Aranui, Jörg mit an Bord zu nehmen. Der Thüringer Jörg Nitzsche ist unser Reiseleiter und erklärt uns in kurzweiliger Form die Gepflogenheiten an Bord. Für uns, die wir blutige Anfänger auf einem Schiff sind, eine Mussveranstaltung. Bei der Sicherheitsübung hatten wir schon erfahren, wie das mit den Rettungsbooten so läuft. Während die Crew uns versichert, dass wir uns bei der Benutzung keine Gedanken machen müssten -  für 2-3 Tage gäbe es Verpflegung auf den Rettungsschiffen, dann hätte man uns bestimmt gefunden! - stehen wir dicht gedrängt wie kleine Michelin Männchen in unseren Rettungswesten.

Jörg wird uns in den nächsten 14 Tagen jeden Abend über den Ablauf des kommenden Tages informieren. Außerdem gibt er sein unendliches Wissen zu franz. Polynesien, speziell zu den Marquesas an uns weiter.

Ein straffes Programm und eine perfekte Organisation erwarten uns auf dem Schiff.  Das Lotterleben hat für uns nun ein Ende – Disziplin ist angesagt. Auf der anderen Seite können wir uns entspannt zurücklegen, denn wir brauchen uns ab jetzt um fast nichts mehr zu kümmern.  

Bei den Mahlzeiten – die übrigens ausgezeichnet sind – kommen wir mit den anderen Reisenden ins Gespräch. Schnell stellt sich heraus, dass wir Waisenknaben in Sachen Reisen sind. Die Schweizer neben uns sind mal eben 6 Monate unterwegs, die Neuseeländer gegenüber kommen gerade von einer Südpolexpedition zurück und der Österreicher auf der anderen Seiten ist auf seiner letzten Station seiner 9 monatigen Weltreise. Die Berlinerin am Tisch ist denn auch der Meinung, dass man schon ein wenig unterwegs gewesen sein muss, bis man auf die Idee kommt, mit der Aranui zu fahren. Und Jörg ist der Ansicht, dass die Gäste auf der Aranui die früheren Backpacker gewesen sind.

In unserer ersten Nacht auf dem Schiff werden wir in den weichen Betten durch das sanfte Schaukeln des Schiffes in den Schlaf gewiegt.


Fakarava – Rotoava – zwischen Meer und Himmel


Um 6 Uhr morgens fährt die Aranui in das zweitgrößte Atoll Polynesiens - das Atoll Fakarava.  Wir werden von tiefhängenden Wolken und einer faszinierenden Lichtstimmung begrüßt. Um 8 Uhr geht es mit einer Barke zum Dorf Rotoava. Passend zum Ausschiffen entlädt sich eine dicke Wolke mit warmen Sprühregen über uns. Nach der Übernahme unserer gemieteten Fahrräder hört der Regen auf. Wir radeln auf der einzigen, befestigten Straße der Insel. Ein junger Polynesier zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er füttert gerade 4 – 5 Zitronen-Haie, die er mit kleinen Fischhappen bis an den Strand lockt. Gegen Mittag müssen wir wieder auf die Aranui, denn vor uns liegt eine lange Strecke auf See und die Menschen auf den Marquesas warten auf ihre Lieferung.


Hiva Oa – Puamau und was liefert der Frachter?


Nach zwei Nächten und einem ganzen Tag auf See ohne Landkontakt haben wir die südliche Inselgruppe der Marquesas erreicht. Die erste Insel ist Hiva Oa. Am Frühen Morgen taucht die Sonne die 1.000 m hohen Berge der Insel in ein fantastisches Licht.

Im ersten Ort auf Hiva Oa - in Puamau - gibt es keine Anlegestelle. Alle Waren müssen auf Bargen umgeladen werden. Geliefert wird alles, was auf der Insel benötigt wird – vom Nagel, über Lebensmittel für den kleinen Dorfladen, Waschmaschine bis hin zum Autos – nur keine Gefahrgüter. Dafür gibt es ein anderes Frachtschiff. Zeitweise sind zwei Kühe zu Gast. Sie werden auf der nächsten Insel wieder abgeladen. Der leere Frachtraum wird mit prall gefüllten Koprasäcken und anderen landwirtschaftlichen Produkten wieder aufgefüllt. Es wird bar bezahlt oder man rechnet den Sack Kopra oder Früchte dagegen.

In der Zwischenzeit bringt uns eine Barke an Land. Unser Ziel ist die historische Kultstätte Te I`pona mit ihren beeindruckenden Tiki-Figuren – die größten der Marquesas.  Es ist Sonntag und ein Besuch der Kirche am Vormittag für alle Dorfbewohner selbstverständlich. Klangvolle Stimmen aus dem offenen, luftigen Gotteshaus erfüllen den ganzen Ort. Und das Mittagessen ist bereits in Arbeit – zwei Schweine am Spieß brutzeln über offenem Feuer am Strand.


Hiva Oa - Atuona / Insel von Gauguin und Jacques Brel


Popularität haben die Marquesas durch zwei Künstler bekommen, die auf Hiva Oa gelebt haben und dort beerdigt sind: der Maler Paul Gauguin und der Chansonsänger Jacques Brel. Vor allem Gauguin hat durch seine Bilder den Mythos vom sorgenlosen, paradiesischen Leben in der Südsee geprägt. Allerdings hat er sich auch gewaltig mit den franz. Behörden vor Ort angelegt. Zum Schluss war er krank, depressiv und starb letztendlich auf den Marquesas. verarmt.


Tahuata – die Erleuchtete


Weiter geht es zur Nachbarinsel Tahuata. Steil abfallende Höhenzüge wechseln sich mit sanfteren Ausläufern ab. Diese Insel besitzt nicht einmal einen Flughafen. Die Versorgung der kleinsten bewohnten Insel der Marquesas geschieht ausschließlich über den Frachter und wieder warten die Bewohner auf die dringende Fracht.


Nuku Hiva und Frau Schumacher


Wir können das erste Mal beim Verlassen des Schiffs die Gangway benutzen und müssen nicht mit einer Barge übersetzten. Zu Fuß geht es in die Stadt Taiohae. Mittelpunkt der Gemeinden bilden immer eine Kirche, das stets gelbe Gebäude der Post, ein kleiner Laden und eine Bank. Für die Fahrt über die Insel steht für alle Passagiere eine beachtliche Zahl an Jeeps bereit. Wir sind uns sicher, dass aller auf der Insel verfügbaren Autos gerade mit uns unterwegs sind. Es geht nach Hatiheu quer über die gebirgige Insel. Wir werden Mary mit ihrem roten Pick up zu geteilt. Gut so, denn kein anderer der ca. 50 Fahrzeuge ist rot und damit für uns bestens auszumachen. Mary ist eine zügige und gute Fahrerin – sozusagen die Schwester von Michael Schuhmacher, wie sie selber meint. Die kurvenreiche Strecke ins Landesinnere über das Gebirge nimmt sie geschickt und selbstbewusst ins Visier. Wir sind stets die ersten vor Ort, so auch beim Mittagessen. Das Mittagessen kommt dieses Mal aus dem Erdofen. Seit Stunden gart ein Schwein sanft zusammen mit Taro- und Brotbaumfrüchten in Bananenblätter umwickelt in einer Grube. Heiße Steine sorgen für langsames Garen und für zartes Fleisch – Niedrigtemperaturgaren in der Südsee.


Ua Pou - die Schöne und das Internet


Die Aranui ist in der Nacht nach Ua Pou gefahren und legt am Morgen am Pier an. Die Bewohner warten geduldig auf das Abladen der Waren, während wir in den Ort Hakahau laufen. Der Ort ist überschaubar, sauber und gepflegt. Strom gibt es über einen mit Diesel betriebenen Generator. In den schmucken Gärten stehen Mango-, Pamelo- und Sternfruchtbäume, Papaya sind zum Greifen nah und die Hühner scharren nach Essbarem. Selbstversorgung ist angesagt. Autos, Fahrräder und ein Boot sorgen für Mobilität.

In der Post gibt es Internetzugang für unser Handy, sagt Jörg. Wir gehen ins gelbe Postgebäude, müssen eine Nummer ziehen (wir haben die Nr. 30) und setzten uns zu den anderen Wartenden (Nummer 22 ist gerade dran). Alle haben Zeit – man hält ein Pläuschchen (jeder kennt jeden sich), und die Mitarbeiterin am Schalter schätzt den Service gegenüber ihren Kunden. Wir rutschen derweil unruhig auf unseren Plätzen, denn die Aranui bleibt ja nicht ewig am Pier. Endlich sind wir dran. Oh, einen Internetzugang wollen wir? Leider gibt es heute keinen Zugang – sorry. 


Fatu Hiva - gehts´ noch besser?


Am kommenden Tag ankert die Aranui in der wunderschönen Bucht von Omao. Ein Teil der Passagiere wird heute eine 15 km lange Wanderung bis nach Hanavave vornehmen. Der andere Teil geht zurück an Bord und nimmt den Weg per Schiff. Wir sind in der letzteren Gruppe.

Fatu Hiva ist die einzige Insel der Marquesas, auf der noch Tapa hergestellt wird. Wir können zuschauen, wie die Tapas, die Rindenbaststoffe aus der inneren Rinde des Papiermaulbeerbaums oder des Brotfruchtbaumes, hergestellt werden. Die abgeschabte Rinde wird so lange bearbeitet, bis sie dünn und weich ist. Das filzartige Gewebe wird als Kleidungsstück und Schlafunterlage verwendet, aber auch für die Aufzeichnung der Muster der Tataus.

Derweil kommen die Wanderer zufrieden, glücklich und gut durchgeschwitzt wieder zurück. Sie berichten von spektakulären Aussichten aber auch gewaltiger Steigung und Gefälle auf ihrer Wanderung.

Wir haben mittlerweile auch die Bucht von Hanavave erreicht und ankern dort. Die Schönheit der Bucht ist atemberaubend – vor allem bei Sonnenuntergang. Das hat sich auch bei Seglern aus der ganzen Welt herum gesprochen, die ebenfalls in der Bucht ankern.


Ua Huka und die Schulbusse


Für unseren Ausflug zum Botanischen Garten warten Schulbusse der Insel auf uns. Die bunten, robusten Gefährte haben nur einen Nachteil – 1,50 m große Menschen können hier stehen, alle anderen rumsen beim Einsteigen erst einmal gegen die Decke, obwohl die immer heitere Marqueserin jeden freundlich auf die Höhe hinweist. Alle nehmen es mit Humor. Mittlerweile haben sich die Passagiere untereinander gut kennen gelernt. Die Stimmung ist bestens.

Spielraum für Individualität gibt es – nur die Abfahrtszeiten der Aranui sollte keiner missachten. Vergessen wird allerdings niemand, denn sowohl beim Verlassen des Schiffs als auch beim Zurückkommen sorgt das Scannen der persönlichen Checkkarte  dafür, dass die Besatzung genau weiß, ob noch jemand fehlt.

Noch einmal laufen wir Nuku Hiva und Ua Pou an. Während die Crew wieder Waren ab- und auflädt, gehen wir unsere eigenen Wege auf beiden Inseln. Bei Sonnenuntergang verlassen wir Ua Pou und damit die Marquesas. Vor uns liegt ein ganzer Tag auf See.


Rangiroa


Am frühen Morgen meistert der Kapitän Faraire Faaora die enge Einfahrt in das größte Atoll Polynesiens geschickt. Die Lagune verspricht alles, was wir uns so unter der Südsee vorstellen - Palmen, das Wasser in allen Blautönen und weißer Strand. Allerdings fehlt zurzeit Süßwasser auf den Motus, denn der Regen ist lange ausgeblieben. Uns bleibt Zeit zum Schnorcheln, bevor gegen Mittag die Aranui wieder ihren Anker hebt und am Atoll Tikhau vorbei nach Bora Bora fährt. Alle sind gespannt, ob die schönste Lagune der Welt das ist, was sie verspricht.

 


Bora Bora – und wie ist sie?


Ja, das Blau des Wassers der Lagune ist fantastisch und der Korallengarten, in dem wir schnorcheln ist erstaunlich gut erhalten. In der Lagune selber reiht sich eine exklusive Hotelanlage an die andere. Die Gäste liegen auf eigenen Sonnenterassen, haben ihren eigenen Zugang zur Lagune und können wenn sie mögen, am Abend von ihrer Badewanne Champagnerschlürfend aus auf das Meer schauen, während die Jet Skis und Motorboote an ihnen vorbei ziehen. Wer es mag und genug Geld mitbringt, soll es tun, solange es noch geht.

 


Wie ist es auf der Aranui?


Entspannt, unkompliziert, herzlich und immer hilfsbereit. Alle auf dem Schiff wissen, was sie tun, jeder Handschlag sitzt, angefangen beim Abladen der Ladung bis hin zum Servicepersonal im Restaurant. Fast alle Besatzungsmittglieder sind selbstbewusste Polynesier in einer angenehm sympathischen Weise. Und irgendwann im Verlauf der Fahrt bilden Mannschaft und Gäste fast eine kleine Familie. Die Eignerfamilie ist chinesischen Ursprungs. Sie waren als einfache Arbeiter auf die Inseln geholt worden. Irgendwann hat die Familie einen kleinen Laden gehabt, dann umliegende Inseln beliefert und mit der Aranui ihr Geschäft erweitert. Vor der Aranui 5 gab es die Aranui 3 – eine Aranui 4 gibt es nicht. Die Zahl bringt nach chinesischem Glauben Unglück und das braucht niemand.

Glück hatten wir mit dem Wetter. Hoher Seegang blieb uns erspart. Gab es auch was Negatives? Mir fällt im Moment nichts ein.

Marquesas Inseln, Aranui 5, Französisch Polynesien
Sonnenuntergang im Pazifik

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Kommentare: 3
  • #1

    Anke (Donnerstag, 07 Juni 2018 09:35)

    Ich könnte immer so weiterlesen. Wie immer toll und fesselnd geschrieben und mit diesen fantastischen Fotos ist man hautnah dabei.
    Vielen Dank dafür dass ihr uns an dieser einzigartigen Reise ( auch wenn es bei euch nur 3 Monate sind�) teilhaben lasst.

  • #2

    Udo (Donnerstag, 07 Juni 2018 18:55)

    Ich kann mich nur meiner Vor-Kommentatorin anschließen. Ja, danke für den ausführlichen Bericht.
    Ein wenig enttäuscht (grins) bin ich von dem modernen Touristendampfer, hatte ich mir als "Postschiff" doch einen abenteuerlichen, alten Seelenverkäufer mit ein paar Plätzen für Gäste vorgestellt, die auch mit anfassen müssen. Aber schon gut, ich kann's verkraften. Je öfter ich diesen Blog lese, wid mir eindrücklich klar, welches Paradies ihr trotzdem erlebt habt.

  • #3

    Sibylle Weitkamp (Donnerstag, 07 Juni 2018 22:11)

    Ja, man könnte immer weiter lesen! Toll, dass Sie am Grab von Paul Gauguin waren. Wir haben morgen im Theatermuseum einen Vortrag über ihn, ich werde gleich von Ihnen berichten! Und Bora Bora soll doch gesperrt werden wegen der Touristenmassen. Na, Sie haben es noch gesehen.
    Weiterhin alles Gute und herzliche Grüße