Kolumbien

Altstadt von Bogota
Altstadt von Bogota

 

Kolumbien - im Südamerikanische Staat erwarten uns Berge, Urwald, karibische Strände und lebensfrohe Städte. Wir werden immer wieder gefragt: "Ist Kolumbien eigentlich ein sicheres Reiseland?" Am Ende unserer 4-wöchigen Rundreise werden wir es wissen. Ersteinmal geht es auf Entdeckungstour.


Bogota – von Gold und Graffiti


Unsere Tour beginnt und endet in der Hauptstadt Bogota. Danach geht es in die Tatacoawüste und durch das Tal des Magdalena Flusses bis nach San Agustin. Popayan, Salento, Jardin, Medellin, Santa Marta, Minca, Rio Hacha, Buitaca und Cartagena sind weitere Stationen.

Beim Anflug auf Bogota meidet der Pilot den Luftraum von Venezuela. Das Nachbarland steckt gerade in einer Krise, dessen momentane Situation ungewiss ist. Nach 11 ½ Stunden Flug und 6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland landen wir auf dem Flughafen El Dorado (cooler Name) in Bogota. Die Hauptstadt liegt auf 2 640 Meter über dem Meeresspiegel in den kolumbianischen Anden. Für eine Stadt, die nicht weit vom Äquator entfernt ist, sind die Temperaturen mit max. 17 Grad moderat. Unsere hübsche Unterkunft – die Casa Deco – befindet sich inmitten des alten Stadtteils La Candelaria. Vor Jahren gehörte La Candelaria wohl noch zum schäbigeren Teilen der Stadt. Das lag vermutlich daran, dass es hier Jahrzehntelang Unruhen und Terroranschlägen gab. Die reicheren Bevölkerungsschichten flüchteten in den schickeren Nordteil der Stadt, während der Süden und das Zentrum von Jahr zu Jahr desolater wurden. Nun sehen wir an jeder Ecke Bauarbeiten, Häuser werden gestrichen, Cafés, Restaurants und kleinen Läden entstehen. Und noch etwas anderes erweckt immer wieder unsere Aufmerksamkeit – es sind die vielen, schönen Graffiti in der Stadt. Zum Alltagsbild gehören allerdings auch die privaten Security-Dienste mit ihren Rottweilern an der Leine, die den Drogen nachspüren. Die Polizei ist ebenfalls stets präsent, vor allem um den Bolívar-Platz im Regierungsviertel.

Bei unserem Stadt-Rundgang begleitet uns César. Der Kolumbianer hat einige Zeit in Deutschland verbracht und spricht deshalb super gut Deutsch. Das Wesentliche für uns ist aber, dass er sich natürlich bestens in seiner Stadt auskennt. Mit der Cable Car gelangen wir auf den über 3 000 m hohen Berg Monserat. Von dort haben wir einen fantastischen Blick auf diese Riesenmetropole mit seinen 8 Millionen Einwohnern.

Die Schätze im Goldmuseum lassen uns dann zum Staunen bringen und erahnen, wie reich dieses Land gewesen sein muss und heute eigentlich immer noch ist.

Die Höhe, der Jetlag und der 1o km lange Fußmarsch – all´ das trägt dazu bei, dass wir am Abend müde im Bett versinken. Vom gefährlichen Nachtleben bekommen wir nichts mit.


Tatacoa Wüste


Auf halber Strecke nach San Agustin befindet sich die Tatacoa Wüste. Damit sind wir in einem regenarmen Tal und 2 000 m tiefer. Auch die Temperatur hat sich radikal geändert – nun haben wir 36 Grad! Damit ist das Wüsten-Erlebnis perfekt. Bizarren Felsformationen und Kakteenriesen entschädigen uns allerdings für den schweißtreibenden Rundgang. Auch das Probieren der kleinen pinken Kaktusfrüchte, die aussehen wie Chilischoten, sind eine Erfahrung wert.


San Agustin - Steinerne Schätze und das braune Gold


In San Agustin – dieses Mal auf 1 700 m Höhe - sind wir an einem ganz besonderen Platz. Prähistorische Steinfiguren aus Vulkangestein sind in einem großen Park zu entdecken. Über das Volk, die diese Steinfiguren hergestellt hat, weiß man nicht viel. Sie waren bereits verschwunden, als die Spanier hier auftauchten. Archäologen haben herausgefunden, dass es ein friedliches Volk gewesen sein muss. Menschen sollen hier bereits vor 5 000 Jahren gelebt. Die Blütezeit der religiös motivierten Bildhauertätigkeiten begann 200 v. Chr. und ging 800 n. Chr. zu Ende. Einige der Statuen von San Agustín sind übrigens im ethnologischen Museum in Berlin zu sehen. Kolumbien fordert sie wieder zurück.

Kaffee und Kolumbien gehören zusammen. Das Klima um San Agustin ist bestens für den eingeführten Kaffeestrauch geeignet. Die Pflanzen sind überall zu finden. Auch wenn ich selber den Kaffee verschmähe, fasziniert mich die Pflanze. Mit Barbara sind wir auf der Kaffeefinca „La Cabana“. Die Finca ist im Besitz der Familie Alejandro. Herr Luis Alejandro legt sehr viel Wert auf gute Qualität und probiert immer etwas Neues aus. Zwischen seinen Kaffeesträuchern wachsen Ananas uns Zitronenbäume. Die Mischung macht es, sagt er. Die Pflanzen leben in einer Art Symbiose. Schädlinge kommen so erwiesenermaßen weniger vor. Er produziert seinen Kaffee für die Fair Trade Marke. Um die Standards dafür zu erfüllen, muss er auf seiner Kaffeeplantage 20 unterschiedliche, einheimische Baumarten anpflanzen.  Die Familie verkauft ihren Kaffee ungeröstet an eine kleine Kaffee-Kette in San Franzisco, nach Norwegen, Hong Kong und Australien. Der Kaffee, der in Kolumbien bleibt, wird in einer Rösterei in San Agustin geröstet – sanft und keinesfalls verbrannt. Harald ist vom handgebrühten Kaffee begeistert. Der Kaffee wird selbstverständlich ohne Milch genossen. Ich bekomme ein Tee aus den getrockneten Schalen der Kaffeebohne. Der schmeckt auch sehr lecker. Ein Schuss vom einheimischen Rum macht das Getränk dann perfekt. Überhaupt finde ich gefallen an den landestypischen Tees – wie dem Coca Tee.

In der Nähe von San Agustin entspringt der Magdalena-Fluss, einer der wichtigsten und größten Flüsse Kolumbiens ist. San Agustin selber ist ein kleiner, überschaubarer Bergort. Am Sonntag ist um die Kirche allerdings richtig was los. Die Kirchentür ist offen, die Gläubigen kommen und gehen und gefühlt hört der Gottesdienst gar nicht mehr auf. Kolumbien ist Katholisch. Um die Plaza herum wird flaniert und jeder hat seine schönsten Kleider an.


Regenwald, Polizeikontrollen und ein weißes Städtchen


Wir verabschieden uns vom kleinen Städtchen San Agustin. Unser nächstes Ziel ist Popayan. Popayan liegt eigentlich nur 140 km entfernt, für die Strecke brauchen wir aber gute 4 Stunden, denn die Straße ist schlecht. Es geht durch den Parque Nacional Natural de Paracé in den Cordillera Central. An der höchsten Stelle überqueren wir einen Pass von 3 200 m Höhe. Mit der Höhe sinkt die Temperatur auf 11 Grad. Auf der Hochebene durchfahren wir einen Nebelwald und entdecken die Frailejones. Sie sehen aus wie Kakteen, gehören aber zu den Korbblütlern.

Kurz vor dem Parkeingang müssen wir aber erst einmal durch eine Militärkontrolle – Kofferraum auf, Koffer raus, ein Blick in und unter das Auto – dann Daumen hoch. Die Soldaten sind schwer bewaffnet und jung, freuen sich aber über Abwechslung und ein Fotoshooting.

Am frühen Nachmittag sind wir in der Ciudad Blanca – in Popayan - der weißen Stadt. Alle Gebäude in der Innenstadt müssen weiß angestrichen sein und das hat seinen Grund. Vor langer Zeit gab es einmal in Popayan eine Floh-Plage. Ein Hausbesitzer strich sein Haus mit weißem Kalk und war fortan von den Flöhen befreit. Alle anderen taten es ihm gleich. Seit dieser Zeit sind alle Häuser weiß und von Flöhen ist weit und breit nichts mehr zu sehen.


Die älteste Ureinwohner Kolumbiens und der Markt in Silvia


Nicht weit von Popayan lebt das indigene Volk der Guambiano. Die Guambianos bezeichnen sich als älteste Ureinwohner Kolumbiens. Auch heute noch pflegen sie ihre eigene Sprache und tragen ihre traditionelle Kleidung. Sowohl Männer als auch Frauen schlüpfen in Röcke, tragen Ponchos und einen grauen Filzhut. Die auffällige blaue Farbe der Kleidung entspricht dabei dem Himmel; Schwarz symbolisiert für sie die Mutter Erde.

Jeden Dienstag kommen sie nach Silvia und verwandeln den Ort zu einem wichtigen Marktplatz. Auch wir haben uns auf den Weg in den 50 km entfernte Bergort gemacht, müssen aber einen Umweg in Kauf nehmen. Wilson – unser Fahrer - hat von seinen Kollegen erfahren, dass die eigentliche Zufahrtsstraße gesperrt ist. Es gibt Proteste und die Autos werden mit Steinen beworfen. Die unzufriedene Landbevölkerung, die ein Eingreifen vom Staat und seinem Präsidenten verlangt, hat die Straße blockiert. Immer wieder werden Aktivisten ermordet, die sich für die Rechte der Menschen einsetzten. Staat bzw. Polizei schauen oft einfach nur zu, auch weil hier unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und die Korruption blüht.

In Silvia selber spüren wir von all` dem nichts. Zahlreiche Chivas (bunten, robuste Busse) stehen am Rande des Dorfplatzes. Die Guambiano bringen damit Ihre Waren vom Land hier her. Auf dem farbenprächtigen Wochenmarkt verkaufen sie dann ihr Obst (auch Erdbeeren und Brombeeren) und Gemüse, decken sich selber aber auch mit Waren ein. Faszinierend ist die Vielfalt der Kartoffeln, darunter auch kleine Lilanen.


In den Bergdörfer Salento und Jardin – Kaffeezone, Willys und Tuk Tuks


Für die Fahrt ins knapp 370 km entfernte Salento nehmen wir den öffentlichen Bus. Es ist ein umgebauter Mercedes Sprinter, in dem knapp 18 Fahrgäste bequem Platz finden. Nach über 7 Stunden durch eine bergige Landschaft mit Stopp in Cali sind wir am Ziel.

Salento ist ein kleines Bergdorf in der berühmten Kaffeezone Kolumbiens. Im Zentrum, an der schönen Plaza, ist eine Menge los. Junge Backpacker aus der ganzen Welt treffen auf kolumbianische Touristen. Alle wollen nicht nur den schnuckeligen Ort kennen lernen, sondern auch die wunderschöne Landschaft.

Dafür bieten stolze Besitzer ihre Willys an. Das Allrad-­Urgestein, mit dem die US Army einst in den Kampf zog, ist in Kolumbien längst eine lebende Legende und hoch geschätztes Transportmittel. Mit den Willys wird eigentlich alles befördert – von Fahrgästen über Schweine bis hin zu Kochbananen, Möbel und natürlich Kaffee. Als die Amerikaner ihre ausgesonderten Armeefahrzeuge in den 1950 an den Mann bringen wollte, veranstalteten sie in der Kaffeezone eine Ausstellung. Um der Landbevölkerung den Jeep schmackhaft zu machen, sollen die Fahrer die Jeeps in alle möglichen Städte die Treppen zu den Kirchen hinauf und herunter gesteuert haben. Schwer beladen chauffierten sie die Fahrzeuge durch Hindernisparcours auf den Plätzen. Das überzeugte prompt – bis heute!

Auch wir bekommen Lust auf eine Fahrt mit einem Willy. Wir wollen damit ins Cocora-Tal, das für seine Landschaft und seine bis zu 50 m hohen Quindio-Wachspalme bekannt ist. Eigentlich sind insgesamt nur zehn Passagiere erlaubt, doch die Polizei drückt meist ein Auge zu, so dass sich manchmal bis 15 Personen in dieses Gefährt quetschen. Dafür kostet die Fahrt auch nur umgerechnet 2,30 € ins Tal. Wenn wir den Willy für uns allein haben möchten, zahlen wir 20 €. Wir überlegen nicht lange und gönnen uns den Luxus und ab geht es ist Cocora-Tal durch eine wunderschöne Landschaft.

Im 280 km entfernten Bergdorf Jardin gibt es ein ganz anderes Fortbewegungsmittel. Im Zentrum an der Plaza stehen sogenannten moto-ratónes. In Deutschland waren diese Motorrad ähnliche Fahrzeuge früher als Ape bekannt, in Asien kennen wir sie als Tuk Tuks. Natürlich könnten wir auch zu Fuß gehen oder uns auf einem Pferd fortbewegen, aber Harald hat sich inzwischen eine Waden-Zerrung zugezogen und so starten wir mit einem südamerikanischem Tuk Tuk in die Wildnis rund um Jardin und staunen nicht schlecht, welche Hürden dieses Dreirad nehmen kann.

Sowohl in Salento als auch in Jardin befinden wir uns immer noch auf über 1 700 m Höhe. Die Bauern leben vom Kaffee, von Bananen, Yuca, Physalis und Granadilla. Und der Wasserreichtum der Kordillerenflüsse erlaubt auch die Zucht von Forellen. Vor allem am Wochenende spielt sich das Leben auf dem zentralen Platz ab. An dieses Plätzen steht immer eine Kirche, in diesem Fall die riesige Basilika. Etliche Cafés, Bars und Restaurants umgeben die Plaza. Häuser, Türen, Balkone, Fensterläden – die Besitzer haben hohe Auflagen. Kein Plastikstuhl darf auf der Plaza stehen. Die Menschen in der Region sind speziell, die Hektik der Großstädte spielt hier keine Rolle. Man ist gastfreundlich und hat Zeit - ob für einen guten Kaffee oder ein kühles Bier. Und wenn dann mal ein kräftiger Schauer kommt, verziehen sich eben alle in das Cafe.


Medellín – und eine der "bemerkenswertesten Kehrtwenden aller Zeiten"


Bauch und Schwanz der mannshohen kugelrunden Bronzestatue auf dem San-Antonio-Platz mitten in Medellín sind völlig zerfetzt. Wir schauen uns die Bronzefigur des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero an, die 1995 von der Guerillabewegung Farc gesprengt wurde. Die Explosion tötete mindestens 30 Menschen und verletzte mehr als 200. Zwei Jahre zuvor war Pablo Escobar, der mächtige, brutale Drogenbaron und einer der reichsten Männer der Welt zur damaligen Zeit, nur wenige Kilometer von dem Platz entfernt in seinem Versteck erschossen worden.

Wie sieht es aber nach über 20 Jahre in dieser Stadt aus? Wir sind mit Dirk unterwegs. „Die beste Möglichkeit, alles zu erreichen ist unser öffentliches Verkehrsnetz“, sagt er, und wir steuern die 1995 eröffnete Hochbahn an (von Siemens gebaut). Es sieht alles pikobello aus – keine Schmierereien, nichts achtlos Weggeworfenes. „Wie kommt das“, fragen wir erstaunt. Dirk erzählt, dass sich die Medellinenses mit ihrer Hochbahn identifizieren und sie als absolut nützlich empfinden. Und sowas lässt hier niemand verkommen. Hinzu kommt, dass es keine komplizierten Fahrzonen gibt und die Öffis super günstig sind.

Nach mehreren Stationen mit der Hochbahn steigen wir um. Nun geht es mit der Seilbahn weiter. Medellín liegt im Aburrá-Tal und hat nur eine begrenzte Fläche. An den Berghängen dehnt sich die Stadt aber immer weiter aus. Vor allem die Armen bauen hier ihre Hütten. Eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Menschen ist deshalb die Luftseilbahn. Sie erschließt einen Teil des einst abgeschiedenen Slums mit den Stationen im Tal, wo sich viele Arbeitsplätze, Ämter und Einkaufsmöglichkeiten befinden. Inzwischen gibt es mehrere Gondelbahnen in der Stadt. Sie werden von Pendlern rege benutzt, deren Alltag sich dadurch erheblich vereinfacht. Der Weg in den Talkessel dauerte davor ewig lang und war gefährlich.

Bei der Abfahrt entdecken wir immer wieder Sportplätze und Fitnessgeräte. Auch diese wirken gepflegt und in keinem Fall verwahrlost. Die Stadt hat sie errichtet und die Menschen können sie kostenlos nutzen und das tun sie rege. Unten angekommen geht es weiter – auf die andere Seite - wieder steil nach oben.

Eines der wohl symbolträchtigsten Projekte entstand in der Comuna 13, dem einst gefährlichsten Slum: eine 160 Meter lange, überdachte Rolltreppe. Sie ersetzt 350 steile und verwegene Stufen, die als enger Korridor zwischen den engen Überbauungen den Hügel hinaufkletterten. Kein Bezirk der Stadt wurde derart von dem Konflikt heimgesucht wie die Comuna 13. Über Jahre hinweg war sie Kriegsgebiet. Und auch heute rät uns Dirk von einem Besuch in der Nacht dringen ab. Jetzt, am Tag, sind wir nicht die einzigen Reisenden, die sich für dieses Viertel und deren Projekte interessieren. 2013 wurde Medellín von der Entwicklungshilfeorganisation Urban Land Institute mit dem Preis für die "innovativste Stadt der Welt" ausgezeichnet - noch vor New York und Tel Aviv. Die Metropole habe eine der "bemerkenswertesten Kehrtwenden aller Zeiten" vollbracht, hieß es in der Begründung. Die Investitionen in Prävention, Bildung, Parks, in die öffentliche Infrastruktur und vielen Sozialprojekten in den Problemzonen verschafften Medellín diese Auszeichnung. 25 bis 30 Prozent seiner Ausgaben steckt das Rathaus in Kultur, Erziehung und Soziales.

Nachdenklich fahren wir mit den Rolltreppen runter ins Tal. Die Anbindung an Bahn und Bus sind wirklich gut, so dass wir schnell in die Innenstadt kommen. Und da sind sie – die dicken Bronzefiguren des kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero am Plaza Botero. Er hat die Figuren seiner Heimatstadt überlassen und ich kann mich nicht satt sehen, an den großen Dicken.

In Medellín gibt es aber ein anderes Schönheitsideal. Hier sind schlanke, kurvenreiche Frauen das Maß aller Dinge. Und dafür nehmen die Frauen einiges in Kauf. Kolumbien gehört zu den sieben Ländern der Welt mit den meisten Schönheitsoperationen! Die Schaufensterpuppen zeigen denn auch deutlich, welche Proportionen gefragt sind.

Die Stadt des ewigen Frühlings, wie Medellín auch genannt wird (hier ist es stetes angenehme mild), befindet sich inmitten des Departamento Antioquia. Die Menschen, die hier leben nennen sich paisa. Paisa zu sein bedeutet, man ist immer gastfreundlich, geschäftstüchtig, denkt immer positiv und ganz wichtig – ist anders als die übrigen Bewohner Kolumbiens. Das mit dem Geschäftstüchtig hat der Drogenboss Pablo Escobar wörtlich genommen. 1989 war Escobar laut Forbes Magazine mit einem Privatvermögen von 2,7 Milliarden USD der siebtreichste Mann der Welt und kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes. Seine Bilanz sieht allerdings verheerend aus: 30 Richter sowie 457 Polizisten wurden ermordet, Entführungsopfer erschoss er nach der Lösegeldübergabe und als sein Gärtner ihn beklaute, ließ er ihn zum Entzücken seiner Gäste in seinem Pool ertränken, so hieß es. Da, wo es ihm nutze, finanzierte er Krankenhäuser, Sozialwohnungen und Schulen.Hauptabnehmer seines Kokains waren die USA. Als Mitte der 1980er ein bekannter US-Basketballstar nach einer Kokainüberdosis starb, war es Schluss mit Lustig. Irgendwann hatten sie ihn. US-amerikanisch-kolumbianische Elite-Einheit erschossen ihn während einer Razzia in Medellín. An seiner Beerdigung sollen über 20.000 Menschen teilgenommen haben.


Jede Menge Natur und das indigenes Volk der Wayuu


Von Medellin aus überbrücken wir die Strecke bis nach Santa Marta an die Karibikküste mit dem Flieger. In Santa Marta erwarten uns Temperaturen von 35 Grad. Das ändert sich allerdings bald, denn wir fahren wieder in die Berge. Dieses Mal geht es in die Sierra Nevada de Santa Marta ins Reserva El Dorado auf 2000 m Höhe. Das ist längt nicht das Höchste, denn in dieser Gebirgskette liegt Kolumbiens höchste Gipfel mit 5.775. Um zu unserer Unterkunft zu kommen braucht es einiges. Die reine Wegstrecke ist kurz – gerade mal 40 km. Allerdings benötigen wir dafür über 3 Stunden! Der Weg ist atemberaubend, wenn man überhaupt streckenweise von einem Weg sprechen kann. Unsere Unterkunft, das Reserva El Dorado im Nationalpark ist es allerdings wert. Die Natur ist grandios und von unserem Bett aus können wir durch die Panoramascheiben den Sonnenaufgang beobachten.

Wer hier her kommt, möchte wandern und dabei die Natur erleben. Die flinken Kolibris kann man aber schon in der Nähe des Haupthauses bewundern. Sie lassen sich keineswegs von den Besuchern stören, ganz im Gegenteil, denn so manches mal schießen sie an unseren Köpfen vorbei. Alle Gäste werden vom El Dorado versorgt, allerdings frage ich mich, wie sie bei diesem Weg die Eier hier hochbekommen haben. Hühner habe ich keine gesehen. Der Weg zu unsem kleinen Bungalow mit den wunderbaren Panoramascheiben ist gleichzeitig ein Track. Rund ¼ Stunde durch üppige Natur und über eine Hängebrücke benötigen wir für den Weg. Nach dem Abendessen brauchen wir für den Rückweg eine Taschenlampe, denn es ist stockfinster.

Das Vogelschutzgebiet El Dorado Bird wurde am 31. März 2006 gegründet. Engagierte kolumbianische  Naturschützer hatten erkannt, dass der Lebensraum mit seiner großen Anzahl von Tieren und Pflanzen geschützt werden muss. Die Organisation kaufte Land auf und errichtete naturnahe Unterkünfte. Das Personal kommt aus der Umgebung und ist somit in das System eingebunden.

Nach ein paar Tage in der Abgeschiedenheit geht es nun nach unten an die Karibikküste. In Riohacha lebt das indigene Volk der Wayuu. Wir haben Gelegenheit, ein Dorf der Wayuu zu besuchen. Ein kleines Problem gibt es – die Wayuu sprechen zwei Sprachen (ihre eigene Sprache und Spanisch) und wir sprechen zwei Sprachen (unsere eigene Sprache und Englisch). Die Verständigung ist damit schwierig. Aber es gibt eine Lösung, denn sowohl die Wayuu als auch wir besitzen ein Mobiltelefon mit einem Übersetzungsprogramm.

Auf diese Art und Weise erfahren wir von ihrer Lebensweise. Die Kolumbianische Regierung sichert den indigenen Völkern eigene Autonomie zu, aber ganz so einfach ist das natürlich nicht. Wir bekommen aber ersteinmal eine Kostprobe ihres traditionellen Esses und dürfen dabei zusehen, wie junge Wayuu bei einem Tanz umeinander werben.


Faulenzen an der Karibikküste und aktion in Cartagena


Karibikküste, lange Strände, Hängematten und türkisfarbenes Meer – da geht nur noch faulenzen! Wir sind in einer Unterkunft ca. 60 km von Santa Marta entfernt, in der Nähe des Flusses Buritaca. Von hier aus haben wir noch einmal einen Blick auf die Berge der Sierra Nevada des Santa Marta.